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Türkische Kleinstadt im Umbruch:

Anamur ist eine Bezirksstadt mit rund 40 000 Einwohnern an der türkischen Südküste und liegt in der Provinz Mersin, 250 km östlich von Antalya. In den letzten 10 Jahren hat diese Region eine stürmische Entwicklung im Bereiche Immobilien und Landwirtschaft durchlaufen.
Für einmal sind es jedoch nicht die Touristen aus Europa, sondern Türken, welche hier in Wohnungen, aber auch in die Errichtung neuer Feriensiedlungen investiert haben. Anamurs besonders mildes Klima ist besonders bei Rentnern aus dem Landesinneren im Frühjahr und Herbst sehr beliebt.
 
Landwirtschaft in der Sackgasse

Noch rasanter ist die Entwicklung im Bereiche Landwirtschaft verlaufen. Im Laufe von 10 Jahren ist die große Ebene Anamurs praktisch vollständig mit Treibhäusern überbaut worden. Ziel: Bananenzucht. Was sich noch vor 5 Jahren als vermeintlich gute Investition präsentierte, steht heute auf mehr als wackligen Füssen. Die Produzenten können auf Grund der gestiegenen Kosten für Dünger und Transport sowie der Tatsache, daß die Produzentenpreise kontinuierlich gesunken sind, ihre Anbaukosten nur noch mühsam decken.

Seit rund 5 Jahren wird der Anbau von Erdbeeren als mögliche Alternative zu den Bananen forciert. Zwar fallen weniger Kosten für die Anlage an, dafür ist dieser Zweig bedeutend arbeitsintensiver. Bezüglich der Produzentenpreise ist in den letzten Jahren derselbe Preiszerfall wie bei den Bananen festzustellen.<

Tourismus als Alternative?

So wird von immer mehr Leuten der Tourismus als drittes mögliches Standbein zum Thema gemacht. Tatsächlich könnten sich für Anamur in dieser Hinsicht interessante Perspektiven eröffnen. Noch hat man die großen Bausünden der Tourismusregionen nicht begangen, noch fehlen die 5-Sterne-Hotelpaläste, welche ganze Küstenzonen in eine anonyme, austauschbare Hotellandschaft verschandeln. Bisher findet man in Anamur lediglich kleine Pensionen und Hotels, vor allem aber einen wunderschönen 13 km langen, einmaligen Sandstrand und hier liegt möglicherweise der Schlüssel für ein interessantes, zukunftsgerichtetes Tourismuskonzept.

Juwel am Sandstrand Anamurs: Die Meeresschildkröten

Seit drei Jahren betreuen die staatliche Parkverwaltung, der Umweltschutz- und Tourismusverein Anamur, Biologen der Universität Mersin und seit 2008 die Aktionsgemeinschaft Artenschutz e. V. (AGA) diesen einmaligen Strand, schützen ab Ende Mai die Gelege der Meeresschildkröten und überwachen das Schlüpfen der Hatchlinge, welche ab Mitte Juli bis Mitte Oktober nachts zu Tausenden von ihren Gelegen zum Meer krabbeln.

2006 wurden hier 647 Gelege bestimmt, 2007 waren es 1040 Gelege, 2008 total 808 Gelege. In absoluten Zahlen handelt es sich um den wohl wichtigsten Meeresschildkrötenstrand in der Türkei, die durchschnittliche Gelegedichte von rund 70 Gelegen/km ist türkeiweit einmalig.

Sanftes Tourismuskonzept?

Die Veränderungen der letzten Jahre haben nun die Verantwortlichen der Gemeinde und interessierte Vereine zur Überzeugung gebracht, daß bezüglich der Zukunft Anamurs gemeinsam nachgedacht, debattiert und geplant werden muß. Die Themen Stadtplanung, Landwirtschaft und Tourismus steht dabei im Vordergrund, denn hier müssen im Bereiche Investitionen und Zonenplanung in naher Zukunft wichtige Entscheide gefällt werden.

Im Zentrum steht die Frage, ob die Meeresschildkröten-Strände zusammen mit den tollen Sehenswürdigkeiten aus der Antike und der einmaligen Bergkulisse mir den vielen ursprünglichen Dörfern das neue touristische Aushängeschild Anamurs werden. Dies auch in der Praxis umzusetzen erfordert ein koordiniertes Vorgehen aller Beteiligten.

Quelle: tourexpi.com


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